Die Idee, August 2008
„Am Anfang stand das Wort.“ Kirchengemeinderat Albert Appenzeller aus Kuchen ging ein Psalm nach dem Gottesdienst nicht mehr aus dem Kopf. Wie vielen es so gehen könnte, wenn sie die Worte der Psalmen hören oder sprechen könnten? Ihm wurde klar, wer keine Möglichkeit hat oder eine solche nicht sucht, dem entgeht einiges an Selbsterfahrung. Und er profitiert nicht von der  Lebenserfahrung, die die Menschen vor drei Jahrtausenden schon mit sich und ihrem Gott gemacht haben. Deshalb muss das Wort zu den Menschen. „Ich nahm das Wort und die Bilder nach dem Gottesdienst mit nach Hause.“, sagte er, „Die Psalmworte müssen den Menschen ins Leben gestellt werden. Mitten hinein.“ Die Idee war geboren.

Das erste Brainstorming-Treffen mit Ehrenamtlichen

Die Idee wird Realität 2011

Psalmenworte, ihre Metaphern und Gleichnisse, sollten von Künstlern gestaltet werden und in der Ortsmitte auf großformatigen Bannern an Hauswänden oder Fahnenmasten im Ort installiert und durch begleitende Veranstaltungen ergänzt werden. Die Kuchener Idee fand bei der Evangelischen Erwachsenenbildung schnell Begeisterung, die Psalmen zum Jahresthema für 2011 im ganzen Kirchenbezirk zu machen. Auf diese Weise erlangen Kirchenbezirk und Gemeinden eine höhere öffentliche Präsenz.
Die Fantasie der Beteiligten wurde angeregt und zwei Treffen mit interessierten Ehrenamtlichen und PfarrerInnen zeigten, wie viel kreatives Potential in den Gemeinden vorhanden ist: Ideen wurden zusammengetragen, erste Veranstaltungen entworfen, ein Motto gefunden. Jede Gemeinde fand ihren eigenen Weg, die Schatzkiste der
Psalmen zu öffnen und in die Öffentlichkeit zu tragen. Das Erwachsenenbildungsprogramm füllte sich mit über 75 Aktionen und Vorträgen, seelsorgerlich geprägten Seminaren, Kunst und Konzerten aus dem ganzen Kirchenbezirk. So leistet kirchliche Erwachsenenbildung einerseits Glaubensvermittlung und anderseits geht sie mit den Psalmen bewusst mitten in den öffentlichen nichtreligiösen Raum.

Das Probe-Banner

Die Planung
Eine Planungsgruppe für die Psalmen-Banner ließ ein Probebanner drucken und legte daraufhin den äußeren Rahmen und die Vorgaben fest. 110 professionelle und semi-professionelle Künstlerinnen und Künstler wurden angefragt, ob sie einen Psalm oder einen einzelnen Psalmvers ihrer Wahl künstlerisch umsetzen würden. Nur das Format war einheitlich vorgegeben – danach begann die künstlerische Freiheit: Der Untergrund, Pappe, Papier, Leinwand oder Glas etc. und die Farben, Acryl, Öl, Radierung, Aquarell, etc. wurden der freien Wahl überlassen. Auch digitale Kunst oder typographische Gestaltung war möglich. Schon im November 2010 lagen der Erwachsenenbildung rund 50 Zusagen vor. Eventuelle Überschneidungen mit dem Projekt eines anderen Künstlers mussten erfasst und Alternativthemen koordiniert werden.
 

Künstler in Aktion

Der Workshop
Ein Workshop mit einer angehenden Kunsttherapeutin und dem Bildungsreferenten bot 10 Laien aus dem Kirchenbezirk die Möglichkeit, ebenfalls an der Bannerausstellung teilzunehmen. Mit künstlerischer und theologischer Begleitung wurde der persönliche Psalmvers und das Motiv gefunden und die Realisierung unterstützt. Die Rückmeldung aus dem Workshop war so positiv, dass angeregt wurde, Kunstworkshops mit biblischen Themen in Zukunft in das reguläre Programm der Erwachsenenbildung zu übernehmen.

Betonier-Team in Kuchen

Die Umsetzung
Die 61 Original-Kunstwerke wurden in einem Fotostudio professionell reproduziert und danach von einer Fahnenfabrik auf Stoffbahnen im Format 3 x 1 Meter gedruckt. Parallel dazu machten sich im Frühjahr 2011 Ehrenamtliche in der Kirchengemeinde Kuchen daran, technisch unterstützt von einer lokalen  Bauunternehmung 61 Betonfundamente zu gießen, in denen die Holzmasten eingesetzt werden können. Auf diese Weise können die Banner flexibel an beliebigen Stellen im öffentlichen Straßenraum aufgestellt werde.

 

Unterstützung
Sowohl der Innovationsfonds der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, als auch der Innovationsfonds des Evangelischen Kirchenbezirks Geislingen erkannten den besonderen Charakter des Psalmen-Banner-Projekts und bewilligten im Frühjahr 2011 umfangreiche Zuschussgelder.

Präsentation
Je näher die Fertigstellung der Psalmen-Banner rückte und sich Künstler aus fast allen Gemeinden beteiligten, bekamen die Kirchengemeinden immer größere Freude daran, diese auch an ihrem eigenen Ort zu präsentieren, so dass die Fahnen ab dem 28. Mai bis in den Herbst 2011 in jeweils unterschiedlicher Anzahl fast durch den ganzen Kirchenbezirk Geislingen wanderten.

Das Privileg, die gesamte Ausstellung als erste zeigen zu dürfen, kam natürlich der Gemeinde in Kuchen zu. Die Banner-Ausstellungen wurden vor Ort von den Kirchengemeinden in Eigenleistung aufgestellt und betreut unter Mitwirkung von Landwirten, Handwerkern, städtischem Bauhof, etc… Die Banner wurden im öffentlichen Straßenraum präsentiert, längst nicht nur vor Kirchen, sondern auch auf Marktplätzen, in der Ortsdurchfahrt, vor Schulen und Kindergärten, an der Bundesstraße oder sogar an der Fassade des Schlosses. In dieser Hinsicht waren die örtlichen Teams völlig kreativ und autonom. Begleitende Veranstaltungen ergänzten die Outdoor-Galerien und verwiesen aufeinander.

Die Originalkunstwerke wiederum waren so beeindruckend, dass deren Sammlung bis 22. Oktober 2011 in einer gesonderten Ausstellung in der Geislinger Pauluskirche gezeigt wurden. Die Ausstellung wurde mit einem großen Fest für alle Ehrenamtlichen beendet.

 

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Die Stationen

Hausen/Fils, Kuchen, Geislingen-Pauluskirche, Bad Überkingen, Stubersheim, Waldhausen, Geislingen-Altenstadt an der B10, Landessynode Heidenheim, Geislingen-Stadtkirche, Gingen, Böhmenkirch-Steinenkirch, Wiesensteig, Deggingen-Bad Ditzenbach, Auendorf, Türkheim, Donzdorf, Reichenbach, Winzingen, Nenningen, Lauterstein-Weißenstein, Süßen

 

Das Projekt "Loben - Klagen - Danken. Ein Psalm für alle Fälle." ist angemeldet für den Förderpreis "Fantasie des Glaubens" 2012 für missionarische Projekte in der Evangelischen Kirche in Deutschland.